Johann Fleger, des Königs Musketier aus Hussinetz
von Dr. Hans-Dieter Langer, Niederwiesa
(erschienen im Heimatblatt für die Kreise Strehlen und Ohlau, 2009)

Vorwort:

In der Zeit 17. bis 20. September 2010 findet/fand in Ostböhmen die 2. Kulturtagung Hussinetz/Strehlen statt. Bei dieser Gelegenheit wird/wurde ein Hussinetzer Erinnerungsstein aus Strehlener Granit im Friedhof zu Sveti aufgestellt, denn es ist nachweislich ein Hussinetzer  Nachkomme böhmischer Emigranten des 18. Jahrhunderts, der preußische Gefreite Johann Fleger, hier im „Land seiner Väter“ in der Schlacht 1866 bei Königsgrätz für Preußen und die Herausbildung der deutschen Nation gestorben. Um den Hintergrund zu beleuchten, dient der nachfolgende Beitrag, der aber zugleich ein Stück der Hussinetzer Geschichte erhellt.


Geboren wurde Johann Matthias Fleger ziemlich genau 100 Jahre vor dem Autor, nämlich am 8. Mai 1841 im schlesischen Hussinetz. Er stammte, wie letzterer mütterlicherseits, von den Hussinetz-Gründern Nikolaus Fleger (1710-1777) und Maria, geb. Taraba, (1719-1795) ab. Die Heimat dieser Emigranten (1742) war Ostböhmen. So finden wir im Grundbuch von Sveti/Vsestary aus dem Jahr 1672 den Eintrag des Christof Fleger (geb. 1648), siehe Bild 1. Dieser war der Großvater von Nikolaus bzw. der Ururururgroßvater von Johann Fleger. Die Taraba´s stammen aus Nedeliste.

Grundbuch von 1672

Bild 1:
Maria und Nikolaus Fleger, die im Jahr 1738 in der Kirche von Sveti geheiratet haben, verkauften ihren
                geerbten Grundbesitz zu Sveti/Nedeliste kurz vor ihrer Emigration im Jahr 1742
                (Archiv Zamrsk/Tschechien, Foto: P. Taraba).


Offenbar hatte Johann Fleger rund 100 Jahre nach der Gründung des Dorfes Hussinetz (1749) in Schlesien vor, die Anna Maria Tscherny (1840-1906) aus dem ebenfalls „böhmischen Dorf“ Ober-Podiebrad zu heiraten, denn sie gebar am 28. August 1866 - rund zwei Monate nach Johann´s Tod - ihren gemeinsamen Sohn Friedrich Wilhelm, der dann aber Tscherny hieß, weil der Erzeuger nicht mehr dazu kam, die Vaterschaft persönlich anzuerkennen. Da half es offenbar auch nicht, dass Johann sein Geheimnis vom kommenden unehelichen Kind noch vor dem Abgang zum Kriegsdienst seinem gleichnamigen Vater (1814-1882) anvertraute. Wir lesen im Hussinetzer Kirchenbuch (1), er habe „bei seinem Abmarsch nach Aussage seines Vaters gegen diesen sein Bekenntnis, dass er Vater von dem Kinde ist, abgelegt“.

Johann starb also in seinem 25. Lebensjahr. Den umtriebigen Bemühungen von Bernd Radetzki, die Geschichte der böhmischen Dörfer bei Strehlen in Schlesien aufzuarbeiten, haben wir weitere Informationen zu danken (2):  Er fotografierte die einschlägige Gedenktafel, die an die im deutschen Bruderkrieg gefallenen Bürger der Hussinetzer Parochie erinnert, siehe Bild 2, und bis nach dem Ende des 2. Weltkrieges hinten links an der Empore der Marien-Kirche hing. (Wo mag sie verblieben sein? B. Radetzki konnte sie noch vor der Sanierung und katholischen Umwidmung des traditionsreichen Gotteshauses im Bild festhalten.) Demnach diente Johann als Gefreiter im Niederschlesischen Infanterie-Regiment Nr. 51.


Gedenktafel

Bild 2:
Die Gedenktafel aus der Marien-Kirche, die an die im deutschen Bruderkrieg Gefallenen aus der
                evangelisch-reformierten Parochie Hussinetz erinnert, ist inzwischen verschollen. Einige teilweise
                unleserliche Namen deuten möglicherweise an, dass 1866 bei Königsgrätz weitere böhmischstämmige
                Kameraden des Johann Fleger starben (Foto: B. Radetzki).


Noch etwas genaueres erfahren wir über die Umstände von Johann Fleger´s Ableben durch die Todesanzeige im Kirchenbuch. Es steht dort nämlich ohne Datumsangabe „war Mousquetier, bei Königsgrätz verwundet, gest. im Lazarett Horenowes“. Das Dorf  Horenoves (heutige Schreibweise) liegt gemäß Bild 3 jenseits einer alles überragenden Höhe, auf der damals zwei markante Linden standen, die stets bei einschlägigen Kriegsberichterstattern Erwähnung fanden. Gemäß der Amtspresse Preußens am ersten Jahrestag der Schlacht ist zum Beispiel zu lesen (3): „Zwei dicht zusammenstehende Bäume auf dem höchsten Punkte bei Horenowes wurden sämtlichen anrückenden Corps der Kronprinzlichen Armee (2. Armee) als Richtung ihres Vormarsches angewiesen.“ Preußen griff die bei Königsgrätz/Hradec Kralove verschanzten verbündeten Heere des österreichischen Kaisers mit drei Armeen an. Die 2. Armee, auch Schlesische Armee, führte der Kronprinz Friedrich Wilhelm (1831-1888/im letzten Jahr deutscher Kaiser Friedrich III.). Sie kam infolge von unvermeidlichen Vorkämpfen auf dem schwierigen Weg über das Riesengebirge und vorgelagerte Bergregionen beinahe zu spät auf dem Schlachtfeld an, beschied dann aber durch einen äußerst wuchtigen Flankenangriff aus nördlicher Richtung und praktisch in den Rücken des Feindes den für Preußen siegreichen Kampf.


 Schlacht bei Königgrätz

Bild 3:
Die Schlachtordnung im Augenblick des Eingreifens der Zweiten Armee/Schlesischen Armee (5)

Weil sich Horenoves im ca. 50 km2 großen Schlachtfeld in nördlicher Randlage befand, siehe Bild 3, war es von den Kampfhandlungen wenig betroffen. Dass man dort ein Lazarett einrichtete, ist verständlich, denn hier standen intakte Gebäude zur Verfügung, und Schwerstverwundete vertrugen nur kurze Transportwege. Viele leicht und mittelschwer verletzte Schlesier wurden teilweise bis ins heimatliche Landshut bzw. nach Trautenau (heute Trutnov in Tschechien) gebracht (4), wo sehr viel bessere Bedingungen für die Krankenpflege herrschten. Im Umkehrschluss muss man leider annehmen, dass Johann im angedeuteten Sinne transportunfähig war und unter extrem schwierigen Verhältnissen gepflegt werden musste.

Wir wissen nicht, wie lange er noch gelebt hat. Allerdings gibt es wahre Horrormeldungen zu den Bedingungen, die in jenen zum Schlachtort nächst gelegenen Lazaretten herrschten. Im Grünberger Wochenblatt (4) wurde am 6. August 1866 noch relativ moderat berichtet: „In Böhmen hatten sie alle Lazarette überfüllt gefunden, und so waren sie zwanzig Stunden und mehr auf denselben Wagen gefahren, indem sie ihre Hoffnung auf Landeshut, welches im Geschäftsverkehr mit Böhmen einen bekannten Klang hat, setzten.

Der Wöchentliche Anzeiger für das Fürstenthum Ratzeburg (6), druckte ebenfalls kurz nach der Schlacht den Bericht eines Arztes ab, der offenbar im Lazarett tätig war, das man in Rosnitz (heute Rozberice) eingerichtet hatte. Wir übernehmen diese Klageschrift im Original und ungekürzt, siehe Bild 4, um uns eine Vorstellung machen zu können, wie es dem schwer verwundeten Johann Fleger aus Hussinetz erging.

 Schrift eines Arztes

Bild 4:
Klageschrift eines Arztes über die Verhältnisse in den Lazaretten nach der Schlacht bei Königsgrätz
                (6)


Rozberice wurde vom 51. Regiment des Schlesischen Korps bei dessen weitesten Vorstoß in Richtung Nordwesten als letztes Dorf erobert (und offenbar nicht so völlig zerstört wie Sveti und seine Nachbardörfer). Doch da scheint unser Johann nicht mehr bei seiner Truppe gewesen zu sein, sonst hätte man ihn sicher in dieses Lazarett gebracht. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass Johann tatsächlich bereits bei den früheren Kämpfen - also z.B. um Nedeliste und Vsestary bzw. bei den ersten Angriffen auf Sveti verwundet worden ist. Um dieses Dorf seiner Vorfahren wurde bis zuletzt verbissen gekämpft, so dass dessen Fall erst das ultimative Ende der Schlacht bedeutete. Dazu der Kommentar von Carl Bleibtreu (5): „Diese unermüdlichen Schlesier, die schon als Landwehr bei Verfolgung nach Waterloo bis zuletzt allein ausdauerten, hatten (bei Königsgrätz) unermessliche Erfolge für sich allein errungen ... Jetzt freilich bedurften sie endlich der Ruhe.“ (Mein Eindruck: Das Gesamtereignis müsste eigentlich „Schlacht um Sadova, Chlum und Sveti“ heißen.) So kam Johann wohl ins Lazarett nach Horenoves, also ins Hinterland der Zweiten Armee, wo ihm freilich letztlich auch niemand mehr helfen konnte.

Da wir sonst nichts über den kurzen Aufenthalt des Johann Fleger auf dieser Erde wissen, wollen wir wenigstens das weitere Leben seiner beiden Lieben verfolgen. Johann´s und Anna´s Sohn Friedrich Wilhelm Tscherny erlernte das Weberhandwerk, das er in Nebentätigkeit - wie viele andere Hussinetzer - ergänzend zur Bewirtschaftung seines kleinen Bauerngutes praktizierte. Später betrieb er zudem einen Krämer-Laden. Friedrich hat zwei Mal geheiratet, doch leider blieben beide Ehen kinderlos. Nach dem Zweiten Weltkrieg verließ er freiwillig Hussinetz, um sich mit den vielen anderen in das böhmische „Land der Väter“ zu begeben, wie Edita Sterik formulierte (7). Dort, in Tachovska Hut, starb er am 23. Oktober 1948.

Und Anna Maria Tscherny, die Geliebte des Johann Fleger? Sie brauchte lange sieben Jahre, um die Trauer zu überwinden und um dann einem anderen Menschen ihre Zuneigung zu schenken. Erst mit 33 Jahren heiratete sie am 20. Juli 1873 in Hussinetz den Johann Friedrich Silber (1831-1886) - der Name Silber ist die Verdeutschung des böhmischen Stribrny (auch Hussinetz-Gründer) - und zog mit ihm nach Ober-Podiebrad um, wo sie zwei Kinder bekam. Laut Kirchenbuch starb sie als Stellenbesitzerin und Witwe am 23. März 1906 „an inneren Schmerzen“.
 
Im übrigen, die Familien Tscherny und Fleger blieben sich trotzdem auf den Fersen, denn Anna Maria´s Neffe, Friedrich Wilhelm Tscherny (1864-1908) vermählte sich am 14. Oktober 1888 im Standesamt zu Strehlen mit der im Jahr 1865 in Mittel-Podiebrad geborenen Maria Fleger. Auch deren Familie zog es nach dem zweiten Weltkrieg zurück nach Böhmen, denn Maria starb im Jahr 1954 in Tri Sekery. Indes hatte der Bruder von Johann Fleger, Wilhelm Heinrich (1844-1911), bereits im Trauerjahr 1866 eine Anna Rosina Tscherny (1847-1902) geheiratet, mit der er 7 Kinder hatte. Ihre erste Tochter, Anna Rosina Fleger (1867-1919), schaffte zum Autor eine weitere bemerkenswerte, verwandtschaftliche Querverbindung im gesellschaftlich „abgeschlossenen System“ Hussinetz: Am 1. Dezember 1891 wurde sie von Friedrich Wilhelm Jirmann (1868-1914) aus Ober-Podiebrad ins Standesamt Strehlen entführt. Aus ihrer zahlreichen Nachkommenschaft (11 Kinder) ging als 4. Sohn Wilhelm Albert Jirmann (1904-1965) hervor. Auch der hat geheiratet, und seine Frau, Marie Martha Cyra, brachte fünf gesunde Kinder zur Welt. Sie bauten sich im Jahr 1937/38 in Hussinetz - dass in der Zeit 1937 bis 1945 Friedrichstein hieß - ein Haus, und wurden so in der Kauba-Reihe Nachbarn vom Geburtshaus des Autors. Nicht unerwähnt sei auch die Tatsache, dass diese Reemigranten-Familie im tschechischen Tri Sekery sogleich die Organisten der evangelischen Kirchgemeinde stellten und ihre Nachkommen sogar das Bürgermeisteramt ausübten. Sie waren es auch, die den seither nie unterbrochenen, tschechischen Erinnerungstourismus ins heimatliche Hussinetz in Gang setzten.

Die Schlacht bei Königsgrätz hatte angesichts der Folgen für Europa ein eher hintergründiges Nachspiel: Der preußische General der 1. Garde-Division innerhalb der Schlesischen Armee, Hiller von Gärtringen, ist einer von vielen Offizieren, die im Kampf getötet worden sind. Für König Wilhelm I. waren dies durchweg Heldentode. Und die kleinen Leute, die sehr viel zahlreicher ihr Leben ließen? Nach unserem kurzen Familienausflug und nach so vielen Jahren sollten auch wir über Johann Fleger´s Schicksal nicht trauern, sondern dürfen vielleicht ebenfalls etwas stolz darauf sein - ohne den Krieg glorifizieren zu wollen - dass sein Blut im Grunde für die Einheit der Deutschen geflossen ist. Zumindest wollen wir ihn im Rahmen der 2. Kulturtagung Hussinetz/Strehlen, auch stellvertretend für seine namenlos gefallenen Kameraden aus Schlesien, mit einem Gedenkstein auf dem Friedhof von Sveti ehren, wo bereits drei der über 100 Denkmale auf dem Schlachtfeld von 1866 stehen, siehe Bild 5. Denn immerhin, Carl Bleibtreu und die anderen Militärhistoriker hoben ja gemäß der Aktenlage gerade immer wieder die besondere Rolle der schlesischen Soldaten hervor, die am Sieg der Preußen so maßgeblich beteiligt gewesen seien.

Denkmale

Bild 5:
Anlässlich der 2. Kulturtagung Hussinetz/Strehlen, die in Trebechovice bei Hradec Kralove im Jahr
                2010 stattfindet, soll hier auf dem Friedhof von Sveti die bereits vorhandene Gruppe der Denkmale zur
                Schlacht von 1866 durch eine Tafel auf einem Strehlener Granitstein ergänzt werden, die an Johann
                Fleger und seine gefallenen Kameraden aus den „böhmischen Dörfern“ in Schlesien erinnern.


Es klingt zudem wie ein Mythos, wenn anhand von Bleibtreu´s Bericht nachzuvollziehen ist, dass ausgerechnet dieses 51. Regiment, in dem Johann diente, die am Ende erfolgreichen, aber eben auch zerstörerischen Attacken gegen jene drei von den Österreichern besetzten Heimatdörfer seiner Vorfahren führten. Die Heimatdörfer gehörten ja nachweislich - einschließlich des Dorfes Rozberice (Rosnitz), siehe Bild 3 - zum engeren Operationsgebiet von Johann´s Regiment. C. Bleibtreu stellte dazu wörtlich fest: „Die sechste Stunde verfloß, als auch Rosnic trotz hartnäckiger Gegenwehr ... vorm nie ermattenden Ungestüm der Schlesier 51er fiel.“ Kurz zuvor wurden zudem in dieser Reihenfolge die anderen Dörfer von der Schlesischen Armee eingenommen bzw. angegriffen: Nedeliste, Vsestary, Sveti. Irgendwo dort in jenem sprichwörtlichen „Land seiner Väter“ ist also Johann Fleger aus Hussinetz dem mörderischen deutschen Bruderkrieg zum Opfer gefallen.

Nun stellt sich noch eine Grundsatzfrage: War Johann Fleger´s Auftritt auf einer der erstrangigsten aller neuzeitlichen europäischen Bühnen eigentlich von ihm gewollt? Dagegen spricht unbedingt die Tatsache, dass die Frau, die er bald heiraten wollte, von ihm etwa im 8. Monat schwanger war als er in den Krieg zog. Damit erschöpfen sich für uns allerdings die Kontra-Argumente. Ebenso wahrscheinlich ist nämlich besonders in Schlesien eine freiwillige Meldung. Im „Aufruf an mein Volk“ hatte der preußische König Wilhelm I. (1797-1888, ab 1871 deutscher Kaiser) zu den Waffen gerufen, und den Schlesiern war ohnehin längst bewusst gewesen, dass die österreichische Monarchie auf die Rückeroberung dieses Landes zielte.

Über die allgemeine Stimmungslage zu diesem Krieg, der auch von der gesamten Bevölkerung Preußens im Vorfeld als unvermeidlich wahrgenommen wurde, berichteten unter anderem die damaligen schlesischen Zeitungen. Für eine ausführliche Zitat-Übersicht zu damaligen Veröffentlichungen im Grünberger Wochenblatt sorgte R. Tannhäuser im Internet (4). Demnach brachte Helmut von Moltke (1800-1891), der preußische Befehlshaber in der Schlacht, Jahre nach den Ereignissen bei Königsgrätz die Sicht des preußischen Königs und seines Adels zu diesem Krieg wie folgt zum Ausdruck: "Der Krieg von 1866 war nicht Notwehr gegen die Bedrohung der eigenen Existenz entsprungen, auch nicht hervorgerufen durch die öffentliche Meinung und die Stimme des Volkes. Es war ein (im) Kabinett als notwendig erkannter, längst beabsichtigter und ruhiger vorbereiteter Kampf, nicht um Landerwerb, Gebietserweiterung oder materiellen Gewinn, sonder für ein ideelles Gut - für Machterhaltung." Nun, dies wird schwerlich das Argument des kleinen Mannes gewesen sein. Für Johann Fleger und seine Kameraden traf - zumal in Hussinetz - eher ein anderer Aspekt zu: „Da finden wir noch etwas von dem alten Begriff der preußischen Treue, die seit den Zeiten von Friedrich dem Großen im Volk wieder einmal - sonderlich in Zeiten der Not - lebendig wurde und die sich auch im Krieg 1866 erwiesen hat.

Ähnlich äußerte man sich am 8. Mai 1866, also etwa einen Monat vor den Kriegshandlungen, in der Neuen Preußischen Zeitung, Ausgabe Breslau (8). Dort tönte es zwar zunächst wie eine Warnung: „Der Abschied von Weib und Kind, von Haus und Hof ist nicht leicht; denn zweifelshaft bleibt, ob man sie bald, ob man sie jemals wiedersehen wird.“ Doch dann folgte im Text - die ganze Provinz Schlesien betreffend - „Aber der große Grundbesitzer wie der kleinste Mann eilen gleich freudig zur Fahne.“ Wir dürfen auch nicht die grenzenlose Dankbarkeit vergessen, die die Hussinetzer ihrem preußischen Gründervater und Förderer, Friedrich dem Großen, über Jahrhunderte bewahrt haben. Schon am 16. Februar 1753, also vier Jahre nach der Hussinetz-Gründung schrieb die „Evang. Reform. Böhm. Gemeinde hieselbst“ an das preußische Königshaus in der damals üblichen Ausdrucksweise unter anderem folgendes, gedruckt in (9): „Wenn wir arme Emigranten ... Königliche Gnadenbezeugungen in andächtige Erwägung ziehen, so empfinden wir ... alleruntertänigste Dankbegierde, und werden ... auf das allerkräftigste angesporet ... zu aller Zeit ... vor Gott und Menschen zu offenbaren, wie tiefen Eingang alle Höchstderoselben Königliche Wohltaten bei uns armen Leuten gehabt haben, noch haben, und bis an das Ende unserer Tage haben werden.“ Selbst der Autor - geboren in der 8. Generation nach der Hussinetz-Gründung - spürt diese Faszination noch in seinem tiefsten Inneren.

Literatur

(1)       D. Kühne: www.ortsfamilienbuecher.de/hussinetz

(2)       B. Radetzki: Ostdeutsche Familienkunde, 27. Jahrgg., Heft 4 (1979) S.369-375

(3)       Amtspresse Preußens, Nr. 27, Fünfter Jahrgang, 3. Juli 1867

(4)       Grünberger Wochenblatt Nr. 62 vom 06.08.1866, nach
            R. Tannhäuser: Der Geschwisterkrieg in P. Schulz/trautenau.riesengebirgler.de

(5)       C. Bleibtreu: Königsgrätz, Verlag Carl Krabbe, Stuttgart (1903)

(6)       Wöchentlicher Anzeiger für das Fürstenthum Ratzeburg, Nr. 57 (1866) S. 2, Digitale
            Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern/wafr.lbmv.de

(7)       E. Sterik: Zeme otcu/Land der Väter, Vydal Spolek exulantu, Praha (1995)

(8)       Neue Preußische Zeitung, Ausgabe Breslau, vom 8. Mai 1866

(9)       Kniha Zalmi y Pisni/Buch der Psalmen und Lieder, Wilim Bohumil Korn,
            Wratislaw/Breslau, 1850 (Nachdruck)



F.M.

17.05.2010