Der Steinkreis zu Lichtenwalde -
ein Kunstwerk in Natur und Stein

von Hans-Dieter Langer, Niederwiesa

Am 23. April 2005 fand das Projekt „Modell-Steinsetzung“ des Sächsischen Vereins für Forschung e.V. seinen vorläufigen Höhepunkt. Mit Hilfe von Firmen aus der Region konnten 44 Großsteine in den einst gräflichen Wald zu Lichtenwalde umgesetzt und zu der gleichen Steinsetzung „Steinkreis mit liegendem Kreuz“ formiert werden, wie sie zuvor schon jeweils mehrere Jahre in Limbach-Oberfrohna, Ortsteil Rußdorf, und in Neukirchen bei Chemnitz bestanden hatte, s. Fotos.



Hier aber in Niederwiesa, Ortsteil Lichtenwalde, in einer reizenden Waldlichtung auf dem Gipfel eines Berges, umringt und beschattet von mächtigen Buchen, entstand sogar endlich das angestrebte touristische Objekt als ein Kunstwerk in Stein und Natur.



Das eigentliche und umfassende Anliegen des Vereins geht aus dem nachfolgend zitierten Text der Infotafel hervor, die vor Ort neben einem großen Quaderstein stand, der als Sitzbank gedacht war:


Steinzeit in Lichtenwalde?

Die Landschaft und die Historie der Gemeinde Niederwiesa sind geprägt durch eine wunderbare Symbiose von Naturphänomenen und barocker Schlosssituation. Manche Menschen wünschen sich verständlicherweise deshalb keine Störung in diesem Ensemble.
Trotzdem muss man sich der Tatsache stellen, dass es hier einen Burgvorgänger gab, dessen militärischer Ursprung eher unromantisch gegen eine vorherige slawische Besiedlung der Gegend zielte. Von Archäologen als frühdeutsch eingestufte Fundgegenstände sprechen sogar für eine Vorgeschichte vor dem 12. Jahrhundert! Und die Epochen zuvor, die Steinzeit etwa, von der wir fast nichts wissen? Immerhin haben ihre archäologischen Spuren längst den Kamm des Erzgebirges erreicht. Zudem lassen die 7.000 Jahre alten Kannibalen von Zauschwitz, die kultischen Erdwerke bei Dresden-Nickern sowie die Sternscheibe von Nebra grüßen. Nur wenige Regionen der Erde sind freilich in der glücklichen Lage, sogar steinerne prähistorische Bauwerke aufzuweisen. Dort aber, wo man solche Steinsetzungen antrifft, zählen sie mit Recht zu den herausragendsten historischen Monumenten der Menschheit. Wer kann es sich jedoch schon leisten, beispielsweise den persönlichen Eindruck geheimnisvoller Steinkreise - zudem angesichts von störenden, nie endenden Touristenströmen - vor Ort auf sich wirken zu lassen?

Die Idee des Sächsischen Vereins für Forschung e.V., der diese Steinsetzung mit der Hilfe örtlicher Firmen ausführte, ist nun ganz einfach. Während die einen wie selbstverständlich Weltreisen durchführen und - wenn ihnen danach ist - auch die ebenso beeindruckenden wie geheimnisvollen megalithischen Kultbauten bzw. Heiligtümer aufsuchen können, bleibt dies für die meisten anderen nur eine Traumvorstellung oder gar eine Unbekannte. Warum also nicht das „Erlebnis Steinkreis“ modellhaft ganz in die Nähe projizieren, zumal die Steinzeit nachweislich auch hier in der Gegend stattgefunden hat? Die Fachwissenschaften kennen schon lange das sogenannte „Prinzip der Kontinuität heiliger Stätten“. Hochkulturen in der Nachfolge haben nämlich, u.a. bauseitig nachweislich, bevorzugt den einmal ausgewählten

Steinsetzungs-Standort für ihre heiligen Bauwerke ebenfalls genutzt. So finden sich mancherorts schon einmal Tempelruinen neben einem Einzelmenhir oder frühe christliche Kirchen inmitten eines noch in Resten vorhandenen Steinkreises. Auch wurden z.B. viele Großsteine christianisiert, indem man Kreuze bzw. Kruzifixe einmeißelte oder aufsetzte. Deshalb wurde im Demonstrationsmodell auch ein liegendes Kreuz angeordnet, dessen Dominanz lediglich auf die größere Nähe des christlichen Mythos in der Gegenwart hinweisen soll. Die Steine selbst haben eine interessante Vergangenheit, doch sie sind für Lichtenwalde sonst völlig bedeutungslos.

Es fand sich im Wald sogar ein „Ort Starker Kräfte“, der zumindest in seinem physikalischen Erscheinungsbild der natürlichen terrestrischen Strahlungen jenen gleicht (durch eigene Messungen belegt!), die von den alten Kulturen für ihre Steinsetzungen - die wir heute gern als kultisch oder heilig einstufen - weltweit als Standort bevorzugt worden sind. Freunde der Natur kennen diese Stelle auf einem der höchsten Berggipfel im Bereich der Gemeinde Niederwiesa. Sie ist versteckt im Wald, doch sie wird von mächtigen Buchen umringt, die gleichsam die örtliche Wirkung jener Naturkräfte zu realisieren scheinen.

Der Verein erklärt hiermit ausdrücklich, dass die Lage am sogenannten Teufelsschluchtweg bzw. die Nähe zur Teufelsschlucht oder auch zum ehemaligen Standort der gräflichen Waldkapelle rein zufällig ist. Auch hat die Steinsetzung keinerlei mystische Bedeutung. Zum Nachdenken über die Geschichte der Menschheit oder auch zur individuellen Meditation angesichts des gewollt tiefen Eindrucks von Bauwerk und erhabener Natur lädt sie allerdings absichtlich ein.

Dem Fotografen Mario Hösel, der in der Region sehr erfolgreich u.a. für die Medien arbeitet, gelang es mit geübtem Auge wohl am besten, diese Situation im richtigen Moment im Bild festzuhalten. Wir ergänzen die Fotogalerie mit eigenen Aufnahmen, um auch den Wandel der Eindrücke in den verschiedenen Jahreszeiten zu vermitteln.

 


Leider erhielt das Projekt schon im zarten Alter von knapp 1 Jahr den Todesstoß und zwar sogar auch von jenen ausgeführt - man kann es kaum fassen - die zuvor mit dazu beigetragen haben, dass das originelle Kind überhaupt erst das Licht der Welt in dieser wundervollen Umgebung erblickt hat. Der Steinkreis ist gestohlen worden, und der Platz ist seither wieder leer, wie das winterliche Foto zeigt. Doch halt, die Geister des ortsansässigen Voodoo-Zauberers - der ja als Auslösender und mit Hilfe des Volkes Aberglauben den Sieg davon getragen hat - sind wieder da!



Ja, es gibt im Freistaat Sachsen einen "Baby-Mord", der amtlicherseits aus verschiedenen Gründen sogar gezielt vertuscht wird, obgleich bzw. weil der zunächst mysteriöse Kriminalfall in den Medien bundesweit viel Beachtung fand. Die eigentlich deutlichen Spuren, die die Diebesbande hinterlassen hatte, s. Foto, führten zunächst ins völlig Unbekannte. Niemand hatte in Lichtenwalde etwas gesehen, niemand hatte etwas gehört ...



Wie das aber so mit der Wahrheit ist, sie kommt ans Licht. Einer der Diebe, der jedoch nur zur Ausführung gezwungen worden ist, wurde schließlich anonym angezeigt. Bei ihm auf dem Hof fanden sich auch die gestohlenen Steine, so wie das Foto zeigt.



Sehr spät (viel zu spät) meldeten sich dann sogar die eigentlichen Täter. Als deren illustre Identität von Kripo, Staatsanwaltschaft und Politik erkannt wurde, gab es offenbar erst recht Gründe, viele Blätter auf die verwaiste Waldlichtung fallen zu lassen (das Foto zeigt die Waldlichtung unmittelbar nach der Tat), denn „bestraft“ wurde nur ein Bauernopfer.



Die grausigen, weil nie verwesenden, Teile der zerstückelten Leiche liegen seither haufenweise an verschiedenen Orten in der Landschaft herum - genauer in einem Schotter-Steinbruch - wie die Fotos beweisen.



Der Tanz der Steine wartet trotzdem noch heute auf die Wiedergeburt, falls sich jemand findet, der dies auf seinem Grundstück wahr machen möchte. Er muss aber ziemlich mutig sein, und er muss mit anonymen Drohanrufen oder mit Verwünschungen  ortsansässiger Geistheiler rechnen, denn die Tageszeitung Bild kreierte in diesem Zusammenhang sogar treffend den „Krieg der Steine“, s. Foto. Insbesondere auf diese originelle Überschrift nimmt der nachfolgende Leserbrief Bezug.



Wer allerdings die unglaubliche Story noch genauer zur Kenntnis nehmen möchte, dem kann an dieser Stelle demnächst geholfen werden. Anfragen und Stellungnahmen per E-Mail
an langer(ät)drhdl.de sind übrigens ausdrücklich erwünscht. Auch kann man auf diesem Weg über das Schicksal der Steine mit befinden, denn der Verein, dem sie noch immer gehören, ist sehr daran interessiert, dass sie nicht in absehbarer Zeit zerkrümelt werden.

F.M.
20.11.2006