Bäume im Visier
Eine gespenstische Galerie der Extreme


Als Gott die Bäume erschuf, muss der Teufel im Spiel gewesen sein. Beide mögen etwas ganz Großartiges geplant haben, und zwar ein Wesen, das im wahrsten Sinne des Wortes alles Lebendige in den Schatten stellen sollte.






Thomas Pakenham, der Autor des wunderbaren Buches „Bäume“ (2003), ist gebannt von der Kreatur, die Urkraft und Verletzlichkeit zugleich in sich verkörpert. In welch einem Kontrast dazu steht doch so manches geisterhafte Kümmerlingsdasein eines Artgenossen! Soll das alles ein Zufall sein?



Sie konnten sich anscheinend nicht einigen, aber die Menschen griffen in das Geschehen ein, und so nahm der Mythos seinen Lauf: „O Tannenbaum, o ...


Selbst der zarteste Christbaum strahlt etwas Wunderbares, Weltumspannendes aus.

Frohe Weihnachten und ein erfolgreiches und gesundes Jahr 2005 wünschen allen Besuchern dieser Internetseite H.-D. Langer und der Sächsische Verein für Forschung e.V. mit Sitz in Chemnitz.

Im Zuge der Schöpfung mag Gott auch an lebendige Tempel gedacht haben. Die Versuchung war offenbar groß, gewaltige Bäume an “Orten der Kraft” oder Lebewesen zu schaffen, die einem beim Anblick die Sprache verschlagen und einen zu Andacht, Gerechtigkeit, Friedfertigkeit geradezu herausfordern.



Wo einst Menschen (in Angkor) heilige Plätze für ihre Tempel ausgewählt haben, hat der Urwald wieder Fuß gefasst. Aber warum entwickelten sich die größten Bäume ausgerechnet auf dem Dach des Bauwerkes?

Harmonie, Erhabenheit, Geborgenheit, himmelsnah und zugleich mit der irdischen Unterwelt im Kontakt, so fand Gott es offenbar richtig. Die Menschen sollten wohl im Baum sein Sinnbild erkennen.




Die Große Eiche von Ivernack macht wirklich den Eindruck ungebremster Vitalität, doch warum steht der Stamm so schräg?


Und es kam die Zeit, da die Menschen abtrünnig wurden. Sie erfanden das Geld und wurden diesem hörig. Mit Holz ließen sich doch sogar die Scheine drucken! Also her mit der Säge.



Verdient nicht diese Tat Verfolgung bis zur Todesstrafe aller Beteiligten, auch der Hersteller von 2 m langen Kettensägen?

Die Szene gefiel dem Teufel. Er führte zudem die Gier und Lust auf Todholz zunächst in die heiligen Wälder, dann in den Rachen der aufstrebenden Industriegesellschaft und schließlich in die atmosphärische Lunge der Erde, und die Bäume neigten sich. Die Baumheiligtümer unserer heidnischen Vorfahren mussten einer neuen Zeit weichen.



Im missionarischen Rausch des 7. Jahrhunderts fällte der später heilig gesprochene Pater Bonifazius die berühmte Donarseiche. In den folgenden Jahrhunderten fand ein Massaker an den Baumheiligtümern unserer Vorfahren statt, an dem sich insbesondere Karl der Große beteiligt hat.


Im Namen Gottes mag die Waldbewirtschaftung vor 250 Jahren das Gegenspiel eröffnet haben, doch ob diese Idee rechtzeitig den letzten Abtrünnigen erreicht? Die Anzahl der Jahresringe ist jedenfalls endlich.



Zählst Du die Baumringe von innen nach außen, so kommst Du dem Todesjahr des Baumes immer näher, doch nur im äußersten Ring fand zuletzt sein ganzes Leben statt. Du erkennst in der Ringbreite seine fetten und mageren Jahre, aber sein eigentliches Geheimnis steckt im Mittelwert der Ringbreite!


Es gibt Länder, in denen die Laubbäume auszusterben drohen, weil der Mensch die Arbeit mit den Blättern scheut, nicht aber, die Zustimmung zu seiner Abstinenz sogar vor Gericht zu erstreiten. So setzt sich zunehmend die Symmetrie der Koniferen durch, und der liebe Gott, der einst eher die Mischung liebte, zeigt sich vorerst unschlüssig. Oder bestraft er die Sünder mit Waldsterben?



Wenn Wellen gebeugt werden und miteinander interferieren gewinnt Symmetrie die Oberhand.


Symmetrische Kreaturen waren dem Teufel jedoch schon immer ein Dorn im Auge, und in der Unordnung sieht er traditionell den Ausgleich. Er begann irgendwann, dem Schöpfer gezielt ins Handwerk zu pfuschen.



Irgendwie ist die Symmetrie im Versteinerten Wald zu Chemnitz gestört, und das liegt wirklich nicht am Design, sondern ist ein Naturereignis vor rund 300 Millionen Jahren!

Was sich im Chemnitzer „Märchenwald“ nur zaghaft andeutet, nahm in den eigentlichen Zauberhainen der Menschheit reale Gestalt an. Magische Kräfte zogen einst im heidnischen Gezeitentakt die Gläubigen in den Bann der vermeintlichen Göttergestalten. Sie opferten ihr letztes Gut, um sich die geheimsten Wünsche zu erfüllen. Und das teuflische Gelächter verhallte im religiösen Intermezzo des Mittelalters, um der atheistischen Wüste den Boden zu bereiten. Der heilige Baumveteran, wo immer er überlebte, verfiel allenfalls zur esoterischen Kultstätte oder zum tristen Naturdenkmal.



Geheimnisvolle Steinsetzungen und mythische Bäume waren die Kathedralen der Steinzeit. Welche Botschaft wollen sie uns übermitteln?

Hat der Teufel nun tatsächlich gesiegt? Wenn die Antwort nur in den Bäumen zu suchen ist, so muss sie wohl in ihrem sichtlichen Elend gegeben sein. Kein Baum ist wirklich verschont, doch sind viele besonders betroffen, und am meisten die Giganten unter ihnen. Wie sonst - als im Teufelswerk - soll man die Galerie der Extreme dieser mächtigsten Spezies der Welt verstehen?

Und nun folgt hier die gespenstische Galerie der Extreme:














































Epilog


Vielleicht ist es im Grunde doch das Werk Gottes? Womöglich leiden die Bäume eben nicht wirklich, sondern „umgehen“ mit seinem Segen lediglich mehr oder weniger wirkungsvoll eine ganz andere, eine ursächliche und wahrhaft satanische Erfindung. Sucht man im einschlägigen Buch oder in der Fachliteratur der letzten 200 (!) Jahre nach Lösungen oder Erklärungen, so lautet die ultimative Antwort schlicht und rätselhaft zugleich: „Es ist halt so.“ Wenn das mal nicht ein ganz klägliches Eingeständnis der zuständigen Wissenschaft ist, das nach dem Eid der Offenbarung heischt. Steckt nicht das Kausalitätsprinzip, also Ursache und Wirkung, so tief in den Knochen der Natur, das es nicht auch hier zutrifft? Kreativer Einfallsreichtum sollte doch erst dann göttliche Dimensionen erreichen, wenn es den Gedanken endlich gelingt, die selbst auferlegten Schranken der Geotropie und der Fototropie zu überwinden.

Die Schwerkraft und die Elektrische Kraft - hört, hört Ihr Biologen - sind zweifelsfrei bedeutsame Leitlinien des Lebens. Doch könntet Ihr im Getümmel die womöglich führende Funktion einer gewaltigen Starken Kraft übersehen haben??






F.M.
31.12.04