Radiästhetische Gitter - Realität oder Mythos?
Hans-Dieter Langer, Niederwiesa

Einleitung

Was tun mit den vielen aperiodischen und periodischen „Reizstreifen“-Strukturen? Diese Frage drängte sich offenbar bereits besonders hartnäckig Ernst Hartmann auf, wie man aus seinen einschlägigen Klassiker-Werken schließt / 1 /. Doch gerade er fügte dem radiästhetischen Repertoir eine Komponente bei, die heute mit ihren zahlreichen verwandten Kreationen die größten Kopfzerbrechen bereitet: Das Hartmann-Gitter. (Diesen Namen dessen, der es zuerst in die Welt setzte, hat es verdient, obgleich einige andere für das gleiche - wirklich gleiche? - Phänomen eher im Gebrauch sind!) Jedenfalls geht es dem Autor so, der sowohl als praktizierender Rutengänger als auch als gelernter Physiker einen Durchblick gewinnen möchte.

Die Welt der rGitter (r steht für radiästhetisch, siehe auch / 2 / und www.drhdl.de) - so ist jedenfalls der Autor überzeugt - ist deshalb so verwirrend, weil es dafür jedenfalls bisher gar keine naturwissenschaftliche Entsprechung gibt. Diese Eigenart teilen bekanntlich viele radiästhetische Phantasieprodukte. Aber ausgerechnet die weit verbreiteten rGitter in Zweifel stellen? Paradoxerweise haben Radiästheten damit gar kein Problem. Die Lösung ist für sie ganz einfach: Man entscheidet sich - je nach erworbenem radiästhetischen Schulwissen - im wesentlichen nur für eine bzw. zwei dieser Strukturen, die dann freilich für alle „krank machenden“ räumlich periodischen rVorkommnisse verantwortlich gemacht werden. Damit können in der Branche offenbar alle Beauftragten und Auftraggeber von Schlafplatz-Untersuchungen und dergleichen leben. So kommt es, dass zum Beispiel die Alleinkämpferin Käthe Bachler dem Diagonal-Gitter frönt, das große Schülerheer des auf E. Hartmann zurück gehenden Forschungskreises für Geobiologie auf dessen „Global-Gitter“ schwört und der Berufsfachverband der Geopathologen das 10 m-Gitter favorisiert.

Eine derartige „Spezialisierung“ birgt in sich freilich den Widerspruch - oft genug von Radiästheten gegenseitig in einschlägigen Tagungen bzw. Veröffentlichungen seit gut 60 Jahren erhoben - und lässt bei unabhängiger Betrachtung einen schlimmen Verdacht mit einer Grundsatzfrage aufkommen: Sind radiästhetische Gitter überhaupt real oder doch eher ein reiner Mythos?

Die physikalische Antwort

Es hat nicht an (bescheidenen) Versuchen gemangelt, radiästhetische Gitter zu modellieren und/oder per Messung nachzuweisen. Dem Autor ist allerdings kein Fachkollege bekannt, der dies jemals mit der notwendigen Ernsthaftigkeit getan hat oder dem dies gelungen ist. Insofern muss man sich über eine totale Fehlmeldung nicht wundern oder kann man noch immer auf das Wunder der „Objektivierung“ hoffen.

Immerhin, der Arzt Ernst Hartmann konnte es sich leisten, Unterstützung von technisch versierten Fachleuten anzufordern. Doch ist auch ihm ein physikalisch akzeptabler Gitter-Nachweis nicht gelungen. Vielmehr hat er sich letztlich, was für ihn ja auch einzig sinnvoll war, in sein ureigenstes biomedizinisches Metier gerettet. So kam es zur Entwicklung des „Georhythmogramms nach Dr. Hartmann“, das allerdings in der Folgezeit derart überstrapaziert worden ist, dass von einem eindeutigen Gitter-Nachweis - zu jeder Zeit, an jedem Ort, vom Fachmann ausgeführt (eine bewährte Bedingung physikalischer Beweisführung) - auch unter medizinischen Aspekten keine Rede sein kann.

Bedenkt man zudem, wie es zur „Entdeckung“ von rGittern ab etwa dem Jahr 1950 gekommen ist, so sträuben sich ohnehin die Haare. Der gute Schreinermeister Anton Benker mag dafür eines der prominenten Beispiele sein. „Ein Traum war sein Schlüsselerlebnis: Ein dreidimensionales Gitter und eine Aneinanderreihung blauer und roter Würfel konnte er darin sehen.“, so wurde das Ereignis vom Zeitgenossen und Rutengänger Stefan Schraml aus Dingolfing im Jahr 1984 / 3 / beschrieben, das zur Erfindung bzw. der für stets wortgewaltige Radiästheten typischen Begriffsschöpfung - ja, so muss man das wohl korrekt ausdrücken - des „ATOMAREN KUBENSYSTEMS NACH BENKER“ führte, das bald auch den Namen 10 m-Gitter erhielt.

Um es vorweg zu nehmen, auch der Autor ist zwangsläufig ein „Benkerjünger“, denn er ging vor vielen Jahren durch die Schule der Geopathologen in Ahnathal, wo man lernt, dass die pathogenen Gitter-Störzonen zwischen 10 und 400 m klaffen. Also, ein Mitspracherecht hat er sich allemal erarbeitet, zumal er inzwischen bei vielen radiästhetischen Hausuntersuchungen die notwendige praktische Erfahrung im Umgang auch damit sammeln konnte.

Die radiästhetische Antwort

Eine schlagende Antwort ist natürlich die übliche Praxis zahlloser Radiästheten in deutschen Schlafzimmern. Es spielt dabei, wie gesagt, keine Rolle mit welchen „krank machendenrGittern hantiert wird. Für den meistens in allen diesbezüglichen Belangen laienhaften Auftraggeber ist Gitter ohnehin gleich Gitter, Hauptsache, es wird etwas gefunden.

Wir nehmen es trotzdem genau und schauen einmal dem seriösesten lebenden Radiästheten Deutschlands - zumindest aus der Sicht des Autors und der „Ersten Wünschelruten-Ausstellung der Welt: Physik und Radiästhesie“ - über die Schulter. Die Rede ist von dem wirklich empfehlenswerten Buch „Radiästhesie - Physikalische Grundlagen und Anwendung in Geobiologie und Medizin“ / 4 / aus der Feder von Christof Rohrbach. Allein die Tatsache, dass Ch. Rohrbach langjährig als Professor für Hochfrequenztechnik und als Vizepräsident der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung tätig war, siehe auch www.drhdl.de, drängt natürlich von vornherein den Eindruck von Authentizität auf.

Sein Buch und sein radiästhetisches Lebenswerk müssten aber trotzdem „nur“ mit „Grundlagen der physikartigen Radiästhesie“ überschrieben werden, denn seine durchaus physikalischen Fragestellungen werden alle und ausschließlich ... mit dem Pendel, also rein radiästhetisch beantwortet. Die traumtänzerische Sicherheit, mit der er dies tut und vom Ergebnis überzeugt ist (das er dann pur gedanklich und eigentlich als Techniker schamlos ungefiltert ins Physikalische transformiert) hat nicht nur dem gestandenen Physik-Professor Martin Lambeck / 5 / das Gruseln beigebracht.

Ungeachtet dessen, muss man Rohrbach´s Arbeitsweise weltweit als das mit Abstand Beste in der radiästhetischen Forschung anerkennen. (Schade, dass der Begriff „Physikalische Radiästhesie“ / 6 / für das Frequenzsyndrom / 7 /, siehe auch www.drhdl.de, des trotzdem ehrenwerten Rutenmeisters R. Schneider vergeben ist.)

Was sagt nun Christoff Rohrbach zu den Gittern? „Wie die Vielzahl der Wellen verschiedener Frequenz, Art, Amplitude und vielleicht auch Polarisation, aus dem Weltall und aus der Erde stammen, schon erwarten läßt, muß man außer dem NSG (Nord-Süd-Gitter) und dem DG (Diagonal-Gitter) noch mit vielen anderen Gittern rechnen.“, tönt es aus den Tiefen seiner radiästhetischen Erfahrung und suggeriert es dem Unbedarften schon mit der Begriffs-Kompetenz Rohrbach´scher transformierter Interpretation: Es sind elektromagnetische Wellen! Wenn auch, wie gesagt, im ganzen Buch der (physikalische!) Beweis fehlt, so besteht im Kontext seiner Pendel-„Messungen“ kein Zweifel, Rohrbach bemüht beim Thema Gitter den Elektromagnetismus wie selbstverständlich.

Die eigene Erfahrung

Dem Autor ist das im Jahr 1996 gedruckte Buch von Ch. Rohrbach schon lange bekannt, und er hat sich - anknüpfend auch an die vielen Untersuchungen von E. Hartmann - redlich bemüht, messtechnische Beweise zur elektromagnetischen Natur der radiästhetischen Gitter zu führen.

Einmal glaubte er, fast am Ziel zu sein. Sein Haus Ellen und sein Neutronen-Garten zu Niederwiesa, siehe auch www.drhdl.de, liegen an der Talstrasse (weitläufig rings herum um den Wohnort befinden sich hohe Berge), die auf einer Seite vom Eybenbach, auf der anderen Seite von einem ca. 15 m hohen, Steilhang flankiert wird und recht genau nach West-Ost ausgerichtet ist. Fuhr man hier mit dem Auto bei eingeschaltetem Radio, so hatte man grundsätzlich Empfangsprobleme. Die Feldstärken schwacher Sender schwankten obendrein im Rhythmus von ca. 2 bis 3 Fahrtmetern, so dass man als radiästhetischer „Insider“ sofort an E. Hartmann´s einschlägige Experimente erinnert wurde / 1 /. Schnell war die Wünschelrute zur Hand, die selbstverständlich (!) mit gleicher Periode „anzeigte“. Die euphorische Gleichstellung von „Gitter-Störzonen“ und Feldstärkeanomalien lag also förmlich in der Luft.

Zum Glück hat der Autor in Jahrzehnten physikalischer Berufspraxis gelernt, gerade in solchen Augenblicken vermeintlich aufkeimender Erkenntnisfortschritte äußerst gelassen und kritisch zu reagieren (sonst wäre womöglich im gegebenen Fall noch eine in die Irre führende Veröffentlichung in der vorliegenden Zeitschrift heraus gekommen). Die Vorlesung zum Thema Hochfrequenztechnik, damals im Physik-Studium an der Technischen Universität Dresden, war gespickt mit interessanten Experimenten. Gab es da nicht die störenden Reflexionen und stehenden Wellen im Laborraum, die auch messbare periodische Feldstrukturen provozierten? Dann, zu DDR-Zeiten, das heimliche Westfernsehen im „Tal der Ahnungslosen“: Man fand mit der vertikalen Ochsenkopf-Antennenschleife mit Mühe einen Platz möglichst hinter (!) einer tarnenden Gardine, wo sich - zudem nur mit zusätzlichem Verstärker - akzeptable Empfangsbedingungen fanden. Die Suche im restlichen Raum produzierte in mehr oder weniger örtlich periodischer Perfektion die berüchtigten Geisterbilder auf dem Bildschirm. Man hatte also eine Vorstellung vom vagabundierenden Elektromagnetismus und wusste, dass es dabei auch räumlich wiederkehrend zugeht. Man braucht also eigentlich keine phantastischen Gitter, um gesetzmäßige Feldstärkeanomalien zu erklären, wenn man sich im Gelände in einer bestimmten Richtung bewegt. Ob Ernst Hartmann bei seiner Suche nach der „ubiquitären Strahlung“ an diesem Punkt einen seiner Irrwege erkannt hat? Warum sonst ist er damals von diesem zunächst so favorisierten und zu jener Zeit wirklich hoffnungsvollen Verfahren mit UKW-Empfangsgeräten zu andersartigen „Objektivierungen“ radiästhetischer Mutungen insbesondere an Gittern (die doch elektromagnetisch und im richtigen Wellenlängen-Bereich sein sollen, / 4 /) plötzlich abgegangen?

Nun, der Autor fühlt sich heute hinreichend aufgeklärt. Wenn sich nämlich in Niederwiesa bei lokal topologisch günstigerer Installation neuer Sendeantennen im Versorgungsgebiet die Feldstärke-Anomalien verändern bzw. diese sogar verschwinden, dann werden halt die zunächst in Verdacht geratenen radiästhetischen Gitter wieder dorthin verdrängt, wo sie mangels besseren Wissens hin gehören: Ins Reich der Phantasie!

Das deprimierende Ergebnis einer radiästhetischen Gitter-Mutung

Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass der Autor bei Bedarf radiästhetische Hausuntersuchungen durchführt und dabei zu seinem Repertoir von „krank machenden Störzonen“ das 10 m- oder Benker-Gitter gehört. Mit anderen Worten, wenn er mit der Wünschelrute nach diesem Gitter sucht, dann findet auch er es. Nebenbei bemerkt, auf Wunsch (entsprechende mentale Fragestellung!) stellen sich auch das Hartmann- / 1 /, das Curry- / 8 / oder selbst die im Buch „Grundlagen der Geopathie“ / 9 / kreierten exotischen Gitter ein, obgleich dessen Autor, E. Schweitzer, dazu längst verkündet hat: „Alles falsch, ich schreibe nie wieder ein Buch!“ / 10 /.

Die „Entdecker“ aller radiästhetischen Gitter und die meisten radiästhetischen Schulen verbreiteten bzw. verbreiten unter anderem die Lehre von der Rechtwinkligkeit bzw. der Parallelität der Gitterflächen und -kanten sowie von der Ausrichtung nach bzw. „diagonalen“ Lage zu den Haupthimmelsrichtungen. So füllten sich in unzähligen Veröffentlichungen die Lagepläne von Schlafzimmern mit eingenordeten Rechtecken vorgeschriebener Kantenlängen.

Der Autor machte dagegen in der Praxis unter anderem folgende Erfahrungen:

* Die Abstände der „rGitterlinien“ des 10 m-Gitters schwanken in weiten Grenzen, etwa zwischen 7 und 12 m. (Der Zahlenbereich entspricht übrigens dem, der heraus kommt, wenn man Menschen den Abstand eines in den Boden gerammten Pflockes schätzen lässt, dessen tatsächliche Entfernung 10 m beträgt.)

* Die „Gitterlinien“ sind nicht parallel. (Für die Überprüfung dessen eignet sich das 10 m-Gitter - im Gegensatz zu engmaschigeren Gittern - besonders gut, weil man die nächste, angeblich parallele Linie erst im nächsten bzw. übernächsten Zimmer oder erst außerhalb des zu untersuchenden Hauses findet und auch die Winkelerinnerung ihre Grenzen hat. Trägt man dann ehrlich seine Linien anhand der jeweiligen Markierungspunkte in den maßstabsgerechten Lageplan ein, dann kommt die schräge oder auch krumme Sache ans Licht.)

* Die Ausrichtung nach den Haupthimmelsrichtungen ist nicht exakt. (Dies testet man am besten an sich selbst bei einem Auftraggeber, dessen Grundstück man - weit weg von der eigenen Heimat, also ohnehin einigermaßen orientierungslos - erst am Untersuchungstag kennen lernt, während die Wettersituation auf der ganzen Strecke keinen Sonnenstand verrät. Selbstverständlich schaut man auf die Uhr bzw. auf den Kompass auch erst nach der Ergebnisauswertung.)

Die obigen Feststellungen und einige mehr sollen nachfolgend an einem Beispiel diskutiert werden:

Der Untersuchungsauftrag bezog sich auf ein Büroobjekt mit vielen Zimmern links und rechts eines langen Korridors, siehe Bild 1.

ein langer Korridor

Bild 1: Ein langer Korridor diente als ideale Teststrecke

Der Korridor war zudem annähernd West-Ost ausgerichtet, so dass man die Lage der querenden Nord-Süd-Linien des 10 m-Gitters sehr bequem mit der Rute überschreiten und am lang ausgelegten Maßband - die Länge der Untersuchungsstrecke betrug etwa 25 m, siehe Bild 2 - direkt ablesen konnte.

das Gitter auf dem Gebäudegrundriss

Bild 2: Das radiästhetisch bestimmte Benker- bzw. 10 m-Gitter im
Bauwerksgrundriss

Dadurch ließ sich recht gut „Statistik“ betreiben. (In Praktika der Physik-Ausbildung hat es sich bewährt, 10 Messungen auszuwerten, wobei es obendrein zulässig ist, jeweils den Größt- und den Kleinstwert wegzulassen. Daran wurde sich im vorliegenden Fall gehalten, wissentlich, dass korrekte Statistiken eigentlich tausender Messwerte bedürfen.)

Die Tabelle 1 und die Diagramme im Bild 3 zeigen das Ergebnis der Mutung der „Nord-Süd“-Linien G1 bis G3 (siehe Bild 2) des 10 m-Gitters entlang des Maßbandes im Korridor. Die nähere Untersuchung der West-Ost-Linie G4 zeigen die Tabelle 2 und das Diagramm in Bild 4.

Tabelle Positionen der Gitterlinien

Bild 3: Mutungspositionen der Gitterlinien

Tabelle Gitter und Zwischenwände

Bild 4: Gitter-Mutung links und rechts der Zwischenwände


Obgleich die Bilder alle wichtigen Informationen enthalten, bedarf es noch einiger Erläuterungen zu diesen:

Bild 1: Im langen Korridor liegt das bei x = 0 (siehe Bild 2) beginnende Maßband am Boden.

Bild 2: Eine Wasserader W mit ihrer radiästhetisch bestimmten „Schwankungsbreite“ von +/- 25 cm ist lila und die fünf ebenso mit der Wünschelrute festgestellten Linien des 10 m-Gitters sind mit ihrer Schwankungsbreite von +/- 40 cm grün eingetragen. Die blauen Kringel im Korridor kennzeichnen von jeweils 10 Mutungen die Positions-Mittelwerte auf dem Bandmaß. Alle anderen Positionen (rote Kringel) wurden jeweils - wie eigentlich üblich - mit einer einzigen Mutung ermittelt.

Bild 3: Die zehn Mutungsdurchläufe im Korridor wurden ohne Pause durchgeführt. Erst danach wurden die restlichen Mutungspunkte (rote Kringel) bestimmt. In der Tabelle 1 verwendete Bezeichnungen und Parameter findet man auch im Lageplan, siehe Bild 2. Die roten Kurven in den Diagrammen verbinden die Mutungspositionen (x) der jeweiligen G-Linien am Bandmaß bei jedem Durchlauf. Der Unterschied der Mittelwerte M8 und M10 ist mit nur 10 cm praktisch vernachlässigbar. Die Lage von M8 ist jeweils als schwarze punktierte Linie in den Diagrammen kenntlich gemacht.

Bild 4: y zählt stets von der südlichen Korridorwand im benachbarten Raum in Richtung Süden. Alle drei Zwischenwände, die von der G4-Linie gequert werden und deren Durchstoßpunkte jeweils rechts- und linksseitig in einem gesonderten Durchlauf gemutet wurden, sind nur 10 cm (!) dick.

Diskussion

Außer dem mental gesuchten 10 m-Gitter wurde nur eine rWasserader gemutet. Im Untersuchungsbereich wurden somit u.a. nicht gefunden: „krank machende“ rVerwerfungen, rNeutronenmoden und rNeutronen-Teilstrahlen, siehe / 2 / und www.drhdl.de. Im vorliegenden Fall ist das r10 m-Gitter wie folgt zu charakterisieren: Die Gitterlinien-Abstände liegen zwischen ca. 7,8 und 9,9 m. Das Gitter ist nicht rechtwinklig und auch nicht exakt genordet (Winkelabweichung mindestens 15o). Betrachtet man zudem die gemuteten Positionen (blaue und rote Kringel) genau, so fällt auf, dass die Gitterlinien auch nicht gerade sind. Sie wurden aber so gezeichnet, weil die rSchwankungsbreite dies halbwegs hergibt.

Bedenklich sind schon mal die Positions-Differenzen der wegen ihrer besonders großen Länge im Untersuchungsbereich ausgewählten G4-Linie rechts und links der nur 10 cm dicken Zwischenwände gemäß Bild 4, wenngleich sie immerhin noch innerhalb der rSchwankungsbreite - schwarze Balken im Diagramm - liegen. (Gemäß radiästhetischem Schulwissen versteht sich die Schwankungsbreite übrigens nicht als maßliche Mutungstoleranz, sondern als angeblich natürliches Hin- und Herschwanken des Gitters! Wenn dies wirklich zuträfe, hätte sich z.B. im Fall der Zwischenwand 3 die Gitterlinie innerhalb von ca. 1 min um 70 cm (!) verschoben. Von solchen Beobachtungen hat der Autor allerdings in der Literatur noch nie etwas erfahren.)

Endgültig gewinnt dann die Mythos-These die Oberhand, wenn man sich die x-Positionen in den Diagrammen (bzw. in Tabelle 2) von Bild 4 genau anschaut. Wie ist doch gleich dieses Mutungsergebnis zustande gekommen? Der Rutengänger begann den ersten Mutungsdurchlauf bei x = 0 und lief bis ans Ende vom Bandmaß. Zwischendurch wurden die drei Ausschlagspositionen (G1 bis G3) am Bandmaß abgelesen und notiert. Jetzt kam die Kehrtwendung, und es wurde in umgekehrter Reihenfolge gemutet, abgelesen und notiert. Bei x = 0 ging es wieder kehrt, und so fort, im Ganzen die 10 Durchläufe. Der Autor bemühte sich wirklich redlich, möglichst keine Orientierungspunkte im ohnehin günstiger weise ziemlich eintönigen Korridor wahrzunehmen, um das Mutungsergebnis so wenig wie möglich bewusst zu beeinflussen. Er musste aber ganz klar feststellen, dass dies mit steigender Anzahl der Durchgänge spürbar immer schwieriger wurde. Insbesondere die Türgewände (als Bezugspunkte zu vorherigen Mutungspositionen) zogen zunehmend magisch an.

Die Kurven spiegeln dies unmissverständlich wider. Die jeweils ersten Mutungspositionen - wohlgemerkt, jeweils am gleichen (!) radiästhetischen Objekt - schwanken sehr, eigentlich viel zu stark hin und her. Das ist kein gutes Zeichen, denn zum Beispiel bei G1 lauten die Positionen erst x = 6,3 m, dann x = 3,9 m, dann x = 4,8 m - also liegt die Positionstoleranz extrem jenseits der rSchwankungsweite von +/- 40 cm - was selbst für Radiästheten einfach nicht akzeptabel ist. Und es kommt noch schlimmer. Die Messpunkte tendieren in allen drei Diagrammen mit zunehmender Durchlauf-Nummer zu immer geringeren Schwankungen, und das auch noch - zumindest in zwei der drei Fälle - nicht etwa um den Mittelwert, sondern stringend (blaue strichpunktierte Linien) zu davon abweichenden Positionen, die ganz sicher durch irgendwelche Orientierungsbeziehungen im Korridor und damit eindeutig subjektiv geprägt sind.

Schlussfolgerung

Als argloser Rutengänger macht man seine Auftragsarbeit ohne Wenn und Aber. Es hat ja auch keinen Zweck, denn der Auftraggeber bestellte einen nicht zum Spaß. Oft sind schwerste, medizinisch hoffnungslose Krankheitsbilder der Hintergrund. Mangels besseren Wissens sind dann aus der Sicht beider Akteure „Erdstrahlen“ die mögliche Ursache. Solange die Physik das erklärte Vermächtnis von Max Planck, siehe www.drhdl.de, nämlich nicht aufgreift und das Wünschelruten-Phänomen endgültig mit naturwissenschaftlichen Mitteln und Methoden klärt, steht dem tatsächlich auch nichts entgegen. Vielmehr darf man die mögliche psychische Wirkung des gefundenen rGuten Platzes beim Auftraggeber nicht unterschätzen, die unter Umständen auch Selbstheilmechanismen in Gang setzen kann. Deshalb sollte man schon aus diesen Gründen in der Praxisauswertung einer rMutung keine Zweifel aufkommen lassen: Die gefundenen rStörzonen könnten ja tatsächlich krank machen bzw. als Ursache in Frage kommen! (Diese prophylaktische Denkweise ist schließlich auch ein bedeutendes Standbein der modernen Medizin.)

Die Aussage des vorliegenden Beitrages ist jedoch trotzdem für die Grundlagen der Radiästhesie deprimierend. Der Autor konnte im Eigenversuch aufzeigen, dass radiästhetische Mutungsergebnisse an sogenannten Gittern zu völlig unakzeptablen Positionstoleranzen führen. Auch bringen Mittelwerte aus vielen Mutungsdurchläufen nichts, weil sie unweigerlich von subjektiven Faktoren unterlaufen werden. Fasst man zudem alle Aussagen in diesem Beitrag zusammen, so wurde sogar ein Beweis erbracht, dass rGitter letztlich doch nur ein Mythos sind.

Scharfsinnige Befürworter der Gitter-These werden nun bemängeln, dass die Beweisführung nicht unter Doppelblind-Verhältnissen erfolgte. Es sei aber darauf hingewiesen, dass die Physik nicht in einem einzigen Fall auf den Doppelblind-Versuch angewiesen ist! Abgesehen davon, dass von Radiästheten beschriebene einschlägige Doppelblind-Experimente oft gar keine sind, mögen solche im angrenzenden Bereich, der Medizin, ihre Aussagekraft haben. Allerdings überzeugt ausgerechnet das hierzu gern zitierte, radiästhetisch-medizinische „Paradebeispiel“ von O. Bergsmann aus dem Jahr 1990 (siehe „Risikofaktor Standort - Rutengängerzone und Mensch“ / 11 /) ganz und gar nicht. Die dort verwendeten rReizzonen dienten nämlich nur dann ausdrücklich als „Arbeitsgrundlage“ für die zahlreichen biomedizinischen Messungen an Probanden, wenn sie „durch drei voneinander unabhängige Rutengeher“ gemutet worden waren. Das ist ja für sich schon seltsam, denn laut Wünschelruten-Report / 12 / war aus dem Jahr 1989 bereits bekannt, dass sich Hunderte von Rutengängern irren können. Die in / 11 / dokumentierten rReizzonen sind zudem so breit ausgefallen, das auch 100 rMutungsergebnisse hätten übereinstimmen können. (Hinweis: Zahlreiche technische Messungen zeigten im Bereich der rReizzonen obendrein keinerlei Signifikanz.) Entsprechend dünnhäutig stellt sich denn auch das nach O. Bergsmann angeblich bewiesene Standortproblem dar.

Nun, der Autor sieht viele, wohlgemerkt durchaus sehr einfache (!) rGitter-Tests - und bietet diese zum Beispiel im Neutronengarten zu Niederwiesa gern kostenlos an - die das Doppelblind-Kriterium erfüllen würden. Nur, es müssten sich die oft von sich sehr überzeugten Radiästheten erst einmal freiwillig stellen! Bei dieser Gelegenheit könnte und sollte man zudem überprüfen, ob Radiästheten auf terrestrische Neutronen-Strahlen bzw. Neutronenfluss–Gradienten sensibel reagieren, denn diese sind ja nun tatsächlich messbar, also physikalisch real, und obendrein garantiert krank machend. Dies spiegelt sich zumindest in der Neutronotropie der Bäume sehr anschaulich wider, siehe www.drhdl.de. Zudem findet damit das in der Radiästhesie ebenfalls weit verbreitete Thema der Wuchsanomalien von Bäumen erstmalig einen naturwissenschaftlichen Erklärungsansatz. Der Autor sieht im Experiment der Neutronen-Mutung eine echte Chance, radiästhetische Untersuchungsergebnisse auf einen objektiven Prüfstand zu stellen, siehe auch / 2 /.

Literatur

/ 1 / E. Hartmann: Krankheit als Standortproblem, Bd. 1 und 2, Karl F. Haug Verlag Heidelberg (1986)

/ 2 / H.-D. Langer: A first consistent physical model of Radiestesy?, im Berichtsband des International Seminar at Druskinikai/Litauen, June 12-15, 2008, p. 75

/ 3 / W. Prenzyna: in Geobiologie 1/84, S. 8 (1984)

/ 4 / Ch. Rohrbach: Radiästhesie - Physikalische Grundlagen und Anwendung in Geobiologie und Medizin, Karl F. Haug Verlag, Heidelberg (1996)

/ 5 / M. Lambeck: Irrt die Physik?, Verlag C. H. Beck, München (2003)

/ 6 / R. Schneider: Leitfaden und Lehrkurs der Ruten- und Pendelkunst - Einführung in die Radiästhesie, Teil I und II, Oktogon-Verlag, Wertheim (1993)

/ 7 / H.-D. Langer: Kritik am „Guten Platz“ und an einem Frequenz-Syndrom der Radiästhesie, Zeitschrift für Geobiologie Wetter Boden Mensch 3 (2003) 23

/ 8 / M. Curry: Curry-Netz - Das Reaktionsliniensystem als krankheitsauslösender Faktor, Herold-Verlag Dr. Wetzel, München-Sooln (1978)

/ 9 / E. Schweitzer, M. Kraft: Grundlagen der Geopathie, Karl F. Haug Verlag, Heidelberg (1988)

/ 10 / E. Schweitzer: persönliche Mitteilung

/ 11 / O. Bergsmann: Risikofaktor Standort - Rutengängerzone und Mensch, FACULTAS, Wien (1990)

/ 12 / H. L. König, H.-D. Betz: Der Wünschelruten-Report, Eigenverlag H. L. König und H.-D. Betz, München (1989)

F.M.
01.02.2009